Historische Versammlung beim TSV Marl-Hüls

Viel Platz in der Mensa der Willy-Brandt-Gesamtschule: Der TSV Marl-Hüls war am Dienstagabend auf mehr Gäste eingestellt. © Thomas Braucks

Fast vier Jahre nach der Neu-Gründung hat der TSV Marl-Hüls endlich einen gewählten Vorstand. Nur wenige Mitglieder kommen zur historischen Versammlung.

Vorsitzender sieht „Baustellen ohne Ende“

Zu einer Jahreshauptversammlung gehört ein Kassenbericht. Hans Vogtländer, Leiter Finanzen beim TSV Marl-Hüls, blieb den Mitgliedern die Fakten nicht schuldig. Stand 31. Mai befanden sich rund 8800 Euro auf den Konten des Klubs. Eine Zahl, welche die Hülser Konkurrenz in der Kreisliga B nicht aufschrecken dürfte: Eine Transfer-Offensive ist vom TSV in den kommenden Wochen nicht zu erwarten.
Trainer Ozan Yilmaz ist das längst klar. „Wir werden viele kleine Schritte
gehen müssen“, meinte der Ex-Profi nach der Mitgliederversammlung. Von der Rückkehr in die Kreisliga A, vielleicht sogar in die Bezirksliga, träumen sie beim TSV zwar. Aber Realität dürfte das so bald nicht werden. Aktuell hat der Klub ohnehin andere Sorgen. Oder um den Vorsitzenden Udo Lichtenstein zu zitieren: „Wir haben Baustellen ohne Ende.“ 

Das fängt schon beim Interesse der derzeit 557 Mitglieder an ihrem Verein an. Bei der ersten Versammlung des 2019 nach der Insolvenz neu gegründeten TSV Marl-Hüls verloren sich 25 stimmberechtigte Mitglieder in der Mensa der Willy-Brandt-Gesamtschule, vor allem aus dem Fußball und aus Kanuabteilung. Lichtenstein hatte auf 100 oder mehr Sportlerinnen und Sportler gehofft. Das Vereinsheim hätte gereicht „Die Verhandlungen mit der Stadt hätten wir uns sparen und uns stattdessen im Vereinsheim treffen können“, knurrte der Vorsitzende. Mit Friedel Gaidt hatte der TSV eigens einen Vereinsberater vom Landessportbund geladen, um die Versammlung zu leiten – für den Fall, dass es turbulent zugehen sollte. Doch kritische Nachfragen blieben aus, stattdessen brachte Udo Lichtenstein seine „Agenda“ in einer knappen Stunde durch. Einstimmig wurden er und sein kleines Vorstandsteam mit Geschäftsführer Markus Tollkühn und Leiter Finanzen Hans Vogtländer für ein Jahr im
Amt bestätigt – als erster gewählter Vorstand des „neuen“ TSV Marl-Hüls überhaupt. Ebenso einstimmig erteilte die Versammlung dem Vorstand das Mandat, bis 2024 Vorschläge für eine Satzungs- und Strukturreform zu erarbeiten. Lichtenstein ist überzeugt: Mit der (Muster-)Satzung, die sich der Klub bei der Gründung 2019 eilig gegeben hatte, ist in Zukunft kein Staat zu machen.
Vorstand tütet über 500 Einladungen ein Notiz am Rande: Der Satzung ist es auch geschuldet, dass der TSV die eigentlich für Ende April angesetzte Versammlung kurz vor Anpfiff wieder absagen und verschieben musste. Sie verlangt im Kleingedruckten eine schriftliche Einladung. Und so hat der Vorstand zuletzt mehr als 500 Briefe
losgeschickt, um rechtssicher tagen zu können. Wie in der guten alten Zeit. Aber nicht nur das gehört bei der Überarbeitung auf die Tagesordnung. Lichtenstein will die Satzung auf die Bedürfnisse des TSV zuschneiden. So werde es immer schwerer, in den einzelnen Abteilungen eigene Vorstände zu finden. „Aber wir werden nichts diktatorisch vorgeben, sondern einen Vorschlag erarbeiten und in der nächsten Mitgliederversammlung zur Abstimmung stellen“, sagte der Vorsitzende. Eine Veränderung müsse aber her, „um den Verein wieder anzuschieben“. Der Fußball liegt am Boden
Allerdings: Auf eine überarbeitete Satzung in 2024 wird der TSV Marl-Hüls nicht warten können. In den verbliebenen Breitensport-Abteilungen geht die Arbeit ihren Gang, die neue Zumba-Gruppe „brummt“. Aber der Fußball, der dem Verein einst überregionale Bekanntheit beschert hat, der liegt (mit Ausnahme der erfolgreichen Altherren-Abteilung) am Boden. Die erste Mannschaft hängt in der B-Liga fest. Die Jugendabteilung, vor Corona neben der des VfB Waltrop die leistungsstärkste im Fußballkreis, hat zuletzt in einem atemberaubenden Tempo Spielklassen, Kicker, Übungsleiter und ganze Mannschaften verloren. „Wie das passieren konnte, ist mir
noch immer nicht klar“, bekannte Udo Lichtenstein in der Versammlung. Der Vorsitzende will den Trend umkehren, zurück zur Stärke vor Ausbruch der Pandemie finden. Bloß wie?

Quelle: Medienhaus Bauer - von Thomas Brauks

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